Nikolaikirche

 

Die St.-Nikolai-Kirche (oder Sankt Nikolai bzw. Nikolaikirche) in Stralsund ist die älteste der drei großen Pfarrkirchen der Hansestadt Stralsund. Sie wurde im Jahr 1276 erstmals urkundlich erwähnt.

Ihr Patrozinium erhielt die Kirche am Alten Markt nach Nikolaus von Myra, dem Schutzheiligen der Seefahrer.

 

Aüßeres

Die Kirche ist mit 103 Metern (Südturm) etwas kleiner als die Marienkirche am Neuen Markt. Ihre Gesamtlänge beträgt 87 Meter, die Höhe des mittleren Kirchenschiffs 29 Meter. Die beiden Seitenschiffe sind nur halb so hoch. Im gleichen Längenverhältnis stehen die Breite des Mittelschiffes mit ca. 13 Metern zur Breite der Seitenschiffe.

Die Breite der beiden Türme beträgt jeweils unten 16,09 Meter und oben 14,60 Meter. Der südliche Turm misst bis zum Wetterhahn 102,60 Meter (davon sind 58,07 Meter gemauerter Backstein). Das Mauerwerk der Türme ist oben 2,14 Meter stark.

In einem der Türme hängt das dreistimmige Geläut mit der Disposition cis′ - d′ - e′.

Im Jahr 2003 wurde der nördliche Zugang vom Alten Markt wiederhergestellt. Imposanter jedoch ist der westliche Haupteingang, den man vom Stralsunder Rathaus durch den Buttergang kommend betritt

 

Ausstattung

Je neun Arkadenpfeiler trennen das Mittelschiff und die beiden Seitenschiffe voneinander. Mit den beiden Eckpfeilern im Chorschluss stehen damit zwanzig Pfeiler im Kirchenraum. Die westlichen Pfeiler gehören zum eigentlichen Kirchenschiff, die östlichen tragen den Hohen Chor. Die Pfeiler im Schiff sind achteckig ausgeführt, die Pfeiler des Chores rautenförmig.

Gut erhalten bzw. derzeit aufwändig restauriert sind Zeichnungen und Malereien an den Wänden und Stützpfeilern der Kirche.

Viele Bilder, Altäre und andere Kunstwerke der Kirche wurden am 10. April 1525 beim Stralsunder Kirchenbrechen zerstört. In den Folgetagen wurden zwar viele Güter wiederbeschafft, die von Plünderern weggebracht worden waren. Diese allerdings wurden auf Hinwirken des Rates der Stadt, darunter Bürgermeister Franz Wessel, im Hof des Katharinenklosters vergraben, „damit nicht mehr Abgötterei und Missbrauch damit getrieben werde“, wie es Franz Wessel formulierte[1]. Später wurden viele gotische Bauteile durch barocke ersetzt, die farbliche Gestaltung wich bis 1702 der Farbe Weiß. Von 1891 bis 1909 dauerte die Wiedererneuerung der Kirche mit der Wiederherstellung der Farbgestaltunge

 

Goldener Wappenfries

Das obere Mittelschiff trägt einen goldenen Fries mit 50 Wappen von Ratsherren der Stadt; dieser Fries stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Träger der Wappen waren einige Bürgermeister der Stadt, wie Bartholomäus Sastrow, aber auch einfache Ratsherren wie Arnd Schwarte, Christian Ehrenfried Charisius, Matthias und Heinrich Hagemeister und andere.

Eine ausführliche Darstellung aller Wappeninhaber stellte Hagemeister in der Festschrift „Die Nikolaikirche. Ein Gedenkblatt zu ihrer Einweihung“ 1909 auf.

 

Taufen

Das barocke Taufbecken aus dem Jahr 1732 stammt aus einer Stiftung des Ratsherren Nikolaus Pansow. Als dieser 1710 starb verweigerten seine Erben die weitere Finanzierung des im Geheimen in Auftrag gegebenen Werkes zunächst, wurden aber durch gerichtlichen Beschluss zur Zahlung von letztlich 3000 Talern gezwungen. Die Taufe stand bis 1838 vor der Buchholz-Orgel im Mittelschiff und steht seitdem im auf einem Platz nördlich des westlichen Seitenschiffjochs. Der heilige Johannes steht auf einem Oberbau, der von vier großen Figuren getragen wird, die den Glauben, die Geduld, die Hoffnung und die Liebe darstellen, zwischen ihnen befinden sich die vier Evangelisten. Ein schmiedeeisernes, teils vergoldetes Gitter umgibt den unteren Teil. Der achteckige Tauftisch ist komplett mit Engelsköpfen und Ranken verziert. Das Wappen des Stifters sowie je ein Bildnis von ihm und von seiner Frau sind ebenfalls zu sehen.

Schräg rechts vor dem Hochaltar steht eine, aus dem Jahr 1260 stammende, steinerne Tauffünte. Diese stand ursprünglich wohl in der Turmhalle im Norden und wurde erst im 19. Jahrhundert in die zentrale Lage gebracht. Auf ihrer Wandung sind das achtstrahlige Sonnenrad und der von zwei Löwen flankierte Baum des Lebens jeweils im Wechsel dargestellt.

 

Astronomische Uhr

Hinter dem Hochaltar befindet sich eine astronomische Uhr, die 1394 durch Nikolaus Lilienfeld vollendet wurde. Sie ist die älteste fast vollständig erhaltene astronomische Uhr im Ostseeraum und zugleich die älteste mechanische Uhr der Welt, die noch immer ihr ursprüngliches Räderwerk enthält. Kirchgemeinde und Denkmalpflege haben sich dafür entschieden, das seit dem 15. oder 16. Jahrhundert nicht mehr funktionierende Uhrwerk nicht wieder in Gang zu setzen - die Unterhaltskosten und das Risiko eines Verlustes von Originalteilen wären unvertretbar hoch.

Das von einem verzierten goldenen Rahmen umgebene Zifferblatt zeigt die Zahlen der 12 Stunden in gotischen Minuskeln zweimal: Auf der vom Betrachter linken Seite von unten nach oben und auf der rechten Seite von oben nach unten. Somit zeigt die Uhr alle 24 Stunden des Tages an. Zudem sind die Tierkreise auf einem metallenen Gürtel dargestellt. Dieser ist an einem Zeiger befestigt und zeigt beim Weiterlauf das jeweils aktuelle Tierkreiszeichen.

In den vier Ecken des Zifferblattes hat der Künstler die vier Weltweisen dargestellt.

Der Untersatz der Uhr enthält eine Figur, die, den Morgen darstellend, eine Tür öffnet. Eine andere Figur, den Abend darstellend, schließt eine Tür. Seitlich am Uhrgehäuse sind einige ausgeschnitzte Fenster vorhanden, andere sind nur aufgemalt; auf der südlichen Seite hat sich der Uhrmacher selbst, aus dem Fenster schauend, dargestellt. Die Fachwissenschaft geht davon aus, dass dies das älteste Porträt eines Uhrmachers weltweit ist.

 

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